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Chronik 2008

Antisemitische Vorfälle in Berlin

Charlottenburg und Pankow, 8. Januar 2008
Gestern und heute hat man an zwei jüdischen Einrichtungen in Westend und Prenzlauer Berg Sachbeschädigungen festgestellt. Gestern Mittag gegen 12 Uhr 45 wurden Beschädigungen an einem Fenster eines zurzeit leerstehenden Gebäudes in der Straße Am Rupenhorn festgestellt. Unbekannte haben – vermutlich mit einer Luftdruckpistole auf das Fenster geschossen. Die äußere Scheibe der Thermoverglasung wies zwei ca. 2 mm große Löcher auf. Unterhalb des Fensters wurde eine kleine Metallkugel mit etwa 5 mm Durchmesser aufgefunden. Heute früh gegen 7 Uhr entdeckte ein Mitarbeiter des Lapidariums in der Schönhauser Allee, dass Unbekannte einen Kleinpflasterstein durch ein Fenster geworfen hatten. Die Kriminalpolizei ermittelt wegen Sachbeschädigung. (Pressedienst der Polizei, 09.01.08)

Pankow, 14. Januar 2008
Unbekannte Täter besprühten mehrere Außenwände des Oberstufenzentrums(OSZ) Büroleistungen und Dienstleistungen mit den Schriftzügen „Stop“ und einem Davidstern. Die mit schwarzer Farbe gesprühten Schmierereien hatten eine Größe von 3m x 1m und 6m x 1m. (Polizeiliche Kriminalitätsstatistik 2008)

Mitte, 16. Januar 2008
Erst beschimpften die Männer Jugendliche der Jüdischen Oberschule mit antisemitischen Parolen, dann feuerten sie ihren Hund an zu einer Verfolgungsjagd. Jetzt ermittelt der Staatsschutz. Die fünf Schüler, von denen drei jüdischen Glaubens sind, befanden sich gestern auf dem Heimweg als sie plötzlich von den Punks verbal angegriffen wurden. An der Ecke Oranienburger Straße/Ecke Große Hamburger Straße beschimpften die vier Männer die Schüler mit antisemitischen Parolen. Anschließend hetzten sie einen ihrer Hunde auf die Jugendlichen. Ein 15-Jähriger rettete sich vor dem aggressiven Tier in einen Bäckerladen. Der Hund ließ erst von ihm ab, als dieser die Tür schließen konnte. Zeugen, die den Fall beobachtet hatten, riefen sogleich die Polizei. Bei den Punks handelt es sich um zwei 27-jährige und einen 31-jährigen Mann, die optisch gesehen der Punk-Szene zugeschrieben werden, wie ein Polizeisprecher mitteilte. Sie werden heute dem Richter vorgeführt, der über einen Haftbefehl entscheiden wird. Der Hund wurde beschlagnahmt und in einem Tierheim untergebracht. Alle Schüler blieben unverletzt. (Tagesspiegel, 17.01.08)

Friedrichshain, 29. Januar 2008
Zwei junge Männer werden von sechs bis sieben zum Teil bekannten Nazis erst antisemitisch beleidigt und bis zum S-Bahnzug verfolgt. Einer der Nazis versucht einen der jungen Männer aus dem Waggon zu ziehen, was ihm nicht gelingt. Ein anderer Nazi tritt den jungen Mann an die Hüfte. Die Szene wird derweil von einem bekannten Nazi fotografiert. (Reach Out)

Hellersdorf, 1. Februar 2008
Beim Sartre-Gymnasium in Hellersdorf ging ein Brief ein, in dem der Holocaust geleugnet wird. Für den direkt an einen Lehrer adressierten geschichtsrevisionistischen und antisemitischen Brief zeichnet sich ein gewisser Dr. J.B. verantwortlich, welcher angibt Teil eines “Kreises für umfassende Bildung (priv. Vereinigung)” zu sein. In dem Brief wird u.a. ein rechtsextremistischer Esoteriker beworben, der sich auf die antisemitische Hetzschrift der “Protokolle der Weisen von Zion” bezieht und an einem vom “jüdischen Bankensystem” und den Illuminaten inszenierten weltumspannenden Verschwörungsplan glaubt. (Antifa Bündnis Marzahn-Hellersdorf [ABM], Quelle: Sartre-Gymnasium)

Pankow, 04. Februar 2008
Auf einer Sitzfläche an einer Haltestelle wurde der Schriftzug „Judenraus“ entdeckt. (Polizeiliche Kriminalitätsstatistik 2008)

Lichtenberg, 9. Februar
Im Bereich Weitlingkiez wurde ein kopiertes 8-seitiges Heft namens “Berliner Bote – Ausgabe 1” in die Briefkästen verteilt. Es enthält unter anderem rassistische und antisemitische Hetze. Verantwortlich für das Heft zeichnet der Neonazi Sebastian Schmidtke. (Antifa Hohenschönhausen)

Steglitz, 10. Februar 2008
Ein Anrufer alarmierte gegen 1 Uhr 30 die Polizei zum Hermann-Ehlers-Platz in Steglitz, da an der Gedenkstätte mehrere ausgelegte Kränze und ein Buch zerstört wurden. Bei der sogenannten „Spiegelwand“ handelt es sich um eine Totengedenkstätte, auf der, unter anderem Namen von verschleppten und ermordeten jüdischen Bürgerinnen und Bürgern festgehalten sind. Die Täter entkamen unerkannt. Der Polizeiliche Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen. (Pressedienst der Polizei, 10.02.2008)

Karlshorst, 11.-16. Februar 2008
Während der Aktionswoche der Nazis zur Bombardierung Dresdens tauchen an der FHTW, am U-Bhf. Tierpark sowie am S-Bhf. Karlshorst “Autonome Nationalisten” auf, schmieren mit Kreide Parolen auf den Boden, verteilen Flugblätter über den angeblichen “Bombenholocaust”, zeigen ein Transparent und lassen sich dabei fotografieren. (Antifa Karlshorst)

Moabit, 17. Februar 2008
Im Rahmen einer Streifenfahrt haben Polizeibeamte gestern Abend gegen 21 Uhr 30 eine Farbschmiererei am Jüdischen Mahnmal in der Levetzowstraße in Moabit festgestellt. Unbekannte Täter hatten das Mahnmal mit einem Schriftzug beschmiert. Ein politischer Hintergrund ist derzeit nicht erkennbar. Eine Säuberung des Mahnmals wurde veranlasst. (Pressedienst der Polizei, 18.02.2008)

Pankow, 21. Februar 2008
Während eines Besuchs einer Schulklasse des unter Denkmalschutz stehenden jüdischen Friedhofs in der Herbert-Baum-Straße in Weißensee ritzte ein Schüler ein Hakenkreuz in einen Grabstein. Eine Lehrerin einer 9. Oberschulklasse aus Pankow besichtigte mit den Schülerinnen und Schülern den Friedhof. Gegen 13 Uhr 15 sah die Lehrerin, wie ein 15-jähriger Schüler in einen Grabstein ein Hakenkreuz mit Schleifpapier einritzte und alarmierte die Polizei. Nach der Anzeigenaufnahme fuhren die Beamten den Jugendlichen nach Hause und übergaben ihn an die Erziehungsberechtigten. Der Polizeiliche Staatsschutz des Landeskriminalamtes hat die Ermittlungen übernommen. (Pressedienst der Polizei, 21.02.08)

Mitte, 22. Februar 2008
Am Holocaust-Mahnmal in Berlin-Mitte sind ein Hakenkreuz und andere rechtsextreme Schmierereien entdeckt worden. Nach Polizeiangaben bemerkte eine Mitarbeiterin der Gedenkstätte das rund acht Mal acht Zentimeter große Symbol am Freitagmittag an einer der Stelen. Außerdem sei eine Zahlenkombination aufgemalt worden. Nach Angaben der Denkmalsstiftung wurde die Schmiererei bereits entfernt. Die Stiftung erstattete Anzeige. Der Staatsschutz ermittelt. Seit der Eröffnung des Mahnmals vor drei Jahren gab es 15 solcher Vorfälle. Normale Graffiti-Schmierereien würden laut Stiftung etwa alle zwei Wochen entdeckt und sofort entfernt. (taz, 25.02.08 )

Charlottenburg, 8. März 2008
Auf einer Demonstration der “Palästinensischen Gemeinde Berlin” und des “Verbandes arabischer Vereine” gegen den das Vorgehen des israelischen Militärs im Gaza-Streifen zogen etwa 1.500 Demonstrant/innen, darunter viele Hamas-Anhänger/innen, vom Adenauer-Platz den Ku’damm entlang zum Breitscheitplatz. In Redebeiträgen und Transparenten wurden antisemitische Parolen wie “Tod den Juden” oder “Blutsauger Israel” verbreitet. An der Fasanenstraße mussten aufgeputschte Teilnehmer von der Polizei daran gehindert werden, in Richtung des jüdischen Gemeindezentrums zu stürmen. (haGalil Online, 09.03.08)

Pankow, 11. März 2008
Eine antirassistisch arbeitende zivilgesellschaftliche Organisation erhielt eine E-Mail mit folgendem Inhalt: „Ihr Judensäue werdet sehen schlitz schlitz das baby von deiner judenfrau aus dem bauch har har har…“ Der bekannte Absender kann nicht zur Identifizierung eines Täters genutzt werden. (Polizeiliche Kriminalstatistik 2008)

Dahlem, 14. März 2008
In der Habelschwerter Allee in Dahlem stellte gestern Mittag gegen 12 Uhr ein Passant fest, dass vom Bürgersteig ein so genannter „Stolperstein“ gestohlen wurde. Der 10 × 10 cm große Pflasterstein mit einer Messingplatte erinnert an einen jüdischen Bewohner des Hauses, der im Oktober 1942 in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert und im April 1943 ermordet wurde. Der Staatsschutz des Landeskriminalamtes hat die Ermittlungen übernommen. (Pressedienst der Polizei, 15.03.2008)

Treptow, 14. März 2008
Am S-Bahnhof Plänterwald und in der Umgebung werden Aufkleber der NPD mit den Parolen “Gute Heimreise”, “Inländerfeundlich” und “Boykott Israel” geklebt. (Antifa Treptow)

Pankow, 23. März 2008
In der Tram soll der Beschuldigte herumgepöbelt und Äußerungen wie „Scheiß Juden, Scheiß Zecken, wir bauen `ne U-Bahn von Berlin bis nach Auschwitz, alle vergasen“ getätigt haben. Im Lauf einer folgenden Auseinandersetzung mit einem anderen Fahrgast schlug dieser ihm ins Gesicht. (Polizeiliche Kriminalitätsstatistik 2008)

Adlershof, 29. März 2008
Erneut sind Mitglieder des jüdischen Sportvereins TuS Makkabi am Sonnabend bei einem Fußballspiel antisemitisch beleidigt worden. Kurz nach dem Abpfiff der Verbandsligapartie gegen den Adlershofer BC in Adlershof sah ein Polizist, wie ein Zuschauer den Arm zum „Hitlergruß“ erhob und der Gastmannschaft laut Naziparolen zurief. Der betrunkene 44-Jährige wurde vorläufig festgenommen und zur Blutentnahme gebracht. Ebenso wie ein 38-Jähriger, der eine 58-jährige Betreuerin des TuS Makkabi als „Scheiß Jüdin“ beleidigt haben soll. (Tagesspiegel, 01.04.08)

Pankow, 04. April 2008
Beim Ausführen seines Hundes wurde ein Spaziergänger von einem Mann aus dem offenen Fenster einer Wohnung mit einer Flasche beworfen, die ihn am Rücken traf, und mit den folgenden Worten bedroht und beleidigt: „Pass auf, du Judensau, wenn ich runter komme, schlitz ich dich auf. Kiffersau.“ Diese Äußerung wiederholte der Mann mehrfach. Kurze Zeit später trafen beide Personen auf der Straße erneut aufeinander. Der Beschuldigte blieb vor dem Spaziergänger stehen, hob den rechten Arm zum Hitlergruß und sagte dazu: „Sieg Heil!“ Der Beschuldigte war zu diesem Zeitpunkt mit einer Gruppe Jugendlicher unterwegs. (Polizeiliche Kriminalstatistik 2008)

Pankow, 8. April 2008
Unbekannte Täter beschmierten ein BVG-Wartehaus mit dem schwarzen Schriftzug “Juden Raus” in der Größe von 10 cm x 20 cm. Eine Polizeistreife, die den Vorgang überprüfte, konnte die Angaben des Anzeigenden nicht bestätigen. (Polizeiliche Kriminalitätsstatistik 2008)

Mitte, 12. April 2008
Mit volksverhetzenden Ausrufen hat gestern Abend gegen 21 Uhr 10 auf dem Potsdamer Platz ein 17-Jähriger das Ende der Kundgebung zur Wanderausstellung „Zug der Erinnerung“ gestört. Der jugendliche Iraker, der in Begleitung zweier Freunde war, stieß plötzlich und für alle hörbar gegen Juden gerichtete Beleidigungen aus. In der Nähe befindliche Polizeibeamte hielten die drei sofort an und brachten sie in einen Gruppenwagen. Nach seinen eigenen Angaben, die von einem Zeugen bestätigt wurden, hatte nur der 17-Jährige herumgebrüllt. Die Polizei leitete ein Ermittlungsverfahren wegen Volksverhetzung und Beleidigung gegen ihn ein. Der Veranstalter stellte Strafantrag. (Pressedienst der Polizei, 11.04.2008)

Lichtenberg, 16. April
Eine Gruppe Neonazis versucht, mit Knüppeln bewaffnet zum “Zug der Erinnerung” auf dem Bhf. Lichtenberg zu gelangen. Sie werden auf dem Bahnhof von der Polizei gestoppt. (Antifa Hohenschönhausen)

Prenzlauer Berg, 22. April 2008
Am Dienstag, den 22. April zogen drei junge Männer in den Abendstunden durch den Mauerpark im Prenzlauer Berg und riefen Naziparolen, stießen antisemitische Beleidigungen aus und beschimpften Passanten. Die gerufene Polizei konnte zwei Männer im Alter von 23 und 25 Jahren festnehmen. Eine Person entkam. Der Staatsschutz ermittelt in diesem Fall wegen Volksverhetzung. (Berliner Morgenpost, 24.04.08)

Pankow, 22. April 2008
Die Inhaberin einer Buchhandlung veranstaltete eine Lesung im Jüdischen Waisenhaus, bei der eine Autorin aus ihrem Buch “Überlebnis” liest. Zur Ankündigung der Veranstaltung wurden insgesamt 70 Werbeplakate im öffentlichen Raum angebracht. Durch unbekannte Täter wurde ein Plakat, auf welchem die Autorin abgebildet ist, mit einem Davidstern und daneben mit dem Wort “Jude” mit einem schwarzen Kugelschreiber beschmiert. (Polizeiliche Kriminalstatistik 2008)

Pankow, 24. April 2008
Fünf Neonazis ziehen um 1:30 von der Wollankstraße aus durch die Florastraße und entfernen linke Plakate und Aufkleber. Als sie einen alternativen Jugendlichen erblicken, beschimpfen sie ihn als “Juden”. (Antifa Klein-Pankow)

Weißensee, 28./29. April 2008
Unbekannte Täter haben auf dem Jüdischen Friedhof in Weißensee randaliert. Ein Friedhofsgärtner entdeckte am Dienstagmorgen die Verwüstungen. Wie die Polizei mitteilte, wurden 23 Grabsteine und zehn kleinere Stelen von etwa 50 Zentimetern Höhe umgeworfen. Der Polizeiliche Staatsschutz des Landeskriminalamtes übernahm die Ermittlungen, da ein politisches Motiv nicht ausgeschlossen wurde. Die Beamten ermitteln wegen Störung der Totenruhe und gemeinschädlicher Sachbeschädigung. (taz/dpa, 30.04.08)

Weißensee, 29./30. April 2008
Unbekannte Täter haben in der Nacht zu Mittwoch auf dem Jüdischen Friedhof in Weißensee erneut randaliert. Dabei seien nach bisherigen Feststellungen 33 Grabsteine und 19 Grabsäulen umgeworfen worden, teilte die Polizei mit. Wie schon bei den Verwüstungen in der vorangegangenen Nacht, von denen insgesamt 33 Gräber betroffen waren, habe der Staatsschutz des Landeskriminalamtes die Ermittlungen wegen Störung der Totenruhe und gemeinschaftlicher Sachbeschädigung übernommen. Konkrete Hinweise auf die Täter gebe es bislang nicht, erklärte eine Polizeisprecherin am Donnerstag. (epd, 30.04.2008)

Marzahn-Hellersdorf, 11. Mai 2008
In der Nacht zu Sonntag werden zwei Jugendliche auf dem Bahnhof Wuhletal gegen 1.30 Uhr von zwei bekannten und den “Freien Kräften Berlin” zu zuordnenden Neonazis bedroht. Während der eine die Türen der U-Bahn aufhält kommt es zu einer Schubserei zwischen dem zweiten Neonazi und einem der bedrohten Jugendlichen. Als dieser signalisiert sich notfalls auch mit einer mitgeführten Flasche zu wehren, lässt der Angreifer von ihm ab und begibt sich wieder in die U-Bahn. Dabei fallen noch Sätze wie “Verpiss dich, du Judensau!”. (Antifa Bündnis Marzahn-Hellersdorf [ABM])

Marzahn-Hellersdorf, 11. Mai 2008
Am Sonntag werden zwischen dem U-Bhf. Cottbusser Platz (auf Höhe der Feuerwehrwache) bis zum U-Bhf. Neue Grottkauer Straße mehrere Aufkleber mit der Aufschrift “Boykott Israel” gefunden. (Antifa Bündnis Marzahn-Hellersdorf [ABM])

Treptow-Köpenick, 14. Mai 2008
Am S-Bahnhof Schöneweide sowie am Busbahnhof kleben etwa 15 rechtsextreme Aufkleber u.a. mit der Aufschrift “Boycott Israel” und “Aktiv gegen links”. (Register Treptow-Köpenick, Quelle: Villa Offensiv)

Pankow, 19. Mai 2008
Heute wurde Brehmestr./ Ecke Wollankstr. im selben Haus, in dem sich das „Musikcafé“ befindet, ein metergroßes Hakenkreuz und der antisemitische Spruch „Juden Raus“ entdeckt. (Antifa Klein-Pankow)

Pankow, 19. Mai 2008
Auf der Sitzfläche eines Wartehäuschens wurde der mit rotem Edding geschriebene Schriftzug „Juden raus“ gefunden. (Polizeiliche Kriminalstatistik 2008)

Mitte, 22./23. Mai 2008
Unbekannte haben in der vergangenen Nacht das Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Mitte mit einem Hakenkreuz beschmiert. Ein Mitarbeiter des Besucherservice entdeckte gegen 19 Uhr 40 das Hakenkreuz in der Cora-Berliner-Straße und alarmierte die Polizei. Der Polizeiliche Staatsschutz hat die weiteren Ermittlungen übernommen. (Pressedienst der Polizei, 15.05.2008)

Wilmersdorf, 10./11. Juni 2008
Unbekannte haben vorgestern und in der vergangenen Nacht in der Wilhelmsaue, der Wetzlarer Straße sowie der Homburger Straße in Wilmersdorf insgesamt 29 in Gehwege eingelassene Gedenksteine mit weißer Flüssigkeit beschädigt. Die so genannten „Stolpersteine“ erinnern an verfolgte Familien, die während der Nazi-Zeit dort gewohnt haben. In allen Fällen wurde eine Reinigung veranlasst. Der Polizeiliche Staatsschutz des Landeskriminalamtes hat die Ermittlungen übernommen. (Pressedienst der Polizei, 12.06.2008)

Treptow-Köpenick, 11. Juni 2008
Am S-Bahnhof Schöneweide hängt an einer Werbetafel ein Aufkleber mit einem durchgestrichenen Davidstern und der Aufschrift “Boykott Israel”. (Register Treptow-Köpenick, Quelle: Villa Offensiv)

Treptow-Köpenick, 02. Juli 2008
Am Haupteingang des Bahnhofs Schöneweide klebt an einer Informationstafel der Straßenbahn ein Aufkleber mit der Aufschrift “Boykott Israel”. Darunter ist ein durchgestrichener Davidstern abgebildet. (Register Treptow-Köpenick, Quelle: Villa Offensiv)

Treptow-Köpenick, 04. Juli 2008
Am Sterndamm in Schöneweide werden viele Aufkleber mit rechtsextremem Inhalt entdeckt. Darunter befinden sich welche der Jungen Nationaldemokraten, welche die sich der Anti-Antifa-Arbeit widmen, und welche mit der Aufschrift “Boykott Israel”. (Register Treptow-Köpenick, Quelle: Villa Offensiv)

Mitte, 08. Juli 2008
Ein 28-jähriger Mann aus Sachsen hat mehrere Stelen des Holocaust-Mahnmals beschmiert und wurde anschließend festgenommen. Der Mann hatte mit einer Farbsprühdose Wörter und Zahlen mit teils antisemitischer Bedeutung aufgetragen: Die Zahlenkombination “884” steht nach Angaben der Polizei “in den einschlägigen Kreisen” für “Heil Hitler Deutschland” – die einzelnen Zahlen werden dabei in Buchstaben des Alphabets übersetzt, 8 steht für das H, 4 für das D. Der Mann sprühte zudem den Satz “Wir sind Deutschland” auf eine Stele – sowie einen Männer- und einen Frauennamen mit einem Herz. Der Mann ist bislang nicht als Rechtsextremist bekannt. (Berliner Morgenpost, 09.07.2008)

Treptow-Köpenick, 14. Juli 2008
In Altglienicke werden rechtsextreme Aufkleber und Sprühereien entdeckt. Unter den Aufkleber befindet sich einer, der dazu auffordert eine Broschüre über die Leugnung des Holocaust bei einer britischen Adresse zu bestellen. Außerdem wurde ein Hakenkreuz gesprüht und die Parolen “Judas verrecke” sowie “Lunikoff” mit einem Marker an eine Bushaltestelle gemalt. Lunikoff ist der Sänger der verbotenen rechtsextremen Band Landser. (Register Treptow-Köpenick, Quelle: Villa Offensiv)"

Marzahn-Hellersdorf, 03. August 2008
In der Nacht zu Sonntag rufen fünf Neonazis in der U-Bahnlinie U5 Richtung Hönow ausländerfeindliche und antisemitische Parolen. Die kurz vor Mitternacht am Bahnhof eingestiegenen vier Männer und eine Frau rufen u.a. “Von Istanbul bis Ankara Bomben für die PKK” und “Von Israel nach Auschwitz bauen wir ne Bahn”. Die fünf Neonazis sind anhand ihrer Kleidung offensichtlich als solche zu erkennen. So tragen sie T-Shirts mit den Aufschriften “Mein Leben für Odin” oder “Deutsch National Stolz”. Daneben bedrohen sie vermeintlich migrantische Fahrgäste und fordern diese auch auf sich mit ihnen zu schlagen. (Antifa Bündnis Marzahn-Hellersdorf [ABM])

Charlottenburg, 9. August 2008
Beim DFB-Pokalspiel zwischen FC Energie Cottbus und Tennis Borussia Berlin im Charlottenburger Mommsenstadion kam es zu Ausschreitungen, bei denen 15 Polizisten verletzt wurden. Die Anhänger des FC Energie Cottbus warfen Becher und Büchsen und provozierten die gegnerischen Fans mit antisemitischen Gesängen. Augenzeugen zufolge grölten sie “Berlin, Berlin, Juden Berlin”. (Tagesspiegel, 11.8.2008)

Mitte, 23. August 2008
Eine Woche nachdem Unbekannte das Mahnmal für die verfolgten Homosexuellen in der NS-Zeit beschädigt hatten, stellte ein Wachschützer heute Mittag am Mahnmal für die ermordeten Juden Europas in Mitte mehrere Farbschmierereien fest. Gegen 12 Uhr bemerkte der Wachmann an sieben Stelen insgesamt elf Hakenkreuze in roter und schwarzer Farbe. Die kleinste Schmiererei war etwa 20 mal 20, die größte rund 55 mal 60 Zentimeter groß. Da ein politischer Hintergrund für die Tat nicht ausgeschlossen wird, übernahm der Polizeiliche Staatsschutz die Ermittlungen. (Pressedienst der Polizei, 23.08.2008)

Kreuzberg, 1. September 2008
Unbekannte haben in der Schleiermacherstraße in Kreuzberg im Gehweg einen eingelassenen Gedenkstein mit schwarzer Ölfarbe beschädigt. Ein Anwohner bemerkte gegen 22 Uhr die Beschädigung und alarmierte die Polizei. Die so genannten „Stolpersteine“ erinnern an verfolgte Familien, die während der Nazi-Zeit dort gewohnt haben. Der Polizeiliche Staatsschutz des Landeskriminalamtes hat die Ermittlungen übernommen. (Pressedienst der Polizei, 02.09.2008)

Marzahn-Hellersdorf, 8. September 2008
Ein betrunkener Mann hat am Montag zwei Angehörige der Zeugen Jehovas in Marzahn-Hellersdorf beleidigt. Die beiden Männer hatten an einem genehmigten Info-Stand gestanden, als der Mann auf den Vorplatz der Havemannstraße herantrag. Der Täter trat gegen den Stand und rüttelte an dem aufgestellten Sonnenschirm, wodurch dessen Halterung beschädigt wurde. Während der Tat beleidigte der Randalierer die beiden 28- und 70-jährigen Standbetreiber mit antisemitischen Äußerungen. Der 30-Jährige wurde durch die alarmierten Einsatzkräfte in Tatortnähe festgenommen.(Berliner Morgenpost, 09.09.2008)

Pankow, 26. September 2008
In der Internet-Tauschbörse „eDonkey2000“ wurde die Datei –Rudolf,.German.-.Vorlesungen.über.den.Holocaust.-Strittige.Fra-gen.im.Kreuzverhör.(2005).pdf angeboten. Diese Datei war aufgrund ihres volksverhetzenden Inhalts durch ein Urteil des Landgerichts Mannheim vom 15.03.2007 verboten und eingezogen worden. Ein Abgleich der festgestellten IP-Adresse lässt Rückschlüsse auf den Beschuldigten zu. (Polizeiliche Kriminalitätsstatistik 2008)

Mitte, 28./29. September 2008
Eine Informationstafel auf dem Jüdischen Friedhof in Mitte ist in der Nacht zum Montag mit antisemitischen Parolen beschmiert worden. Sie seien bereits entfernt worden. Nach Angaben der Polizei hatte ein Wachschutzmitarbeiter die Schmierereien auf dem Friedhof an der Großen Hamburger Straße entdeckt. Die Suche nach den Tätern hat der Staatsschutz übernommen. Der Friedhof war erst am vergangenen Mittwoch mit einer feierlichen Zeremonie wieder eröffnet worden. Das in der NS-Zeit und im Krieg verwüstete Gelände an der Großen Hamburger Straße war seit 2007 für insgesamt eine Million Euro hergerichtet worden. Er ist der älteste Begräbnisplatz der Berliner Jüdischen Gemeinde. Neben der Ruhestätte des jüdischen Aufklärers Moses Mendelssohn befinden sich auf dem Areal auch 2400 nicht-jüdische Gräber. (Berliner Morgenpost, 29.09.2008)

Lichtenberg, 1. Oktober 2008
Mitarbeiter des Bezirksamtes Lichtenberg stellten gestern antisemitische Schmierereien fest und alarmierten gegen 13 Uhr die Polizei. Unbekannte hatten mit Farbe einen Davidstern auf den Gehweg der Hauffstraße in Rummelsburg und daneben antisemitische Parolen gemalt. Das Tiefbauamt wird die Farbe beseitigen. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen. (Pressedienst der Polizei, 02.10.2008)

Prenzlauer Berg, 23. Oktober 2008
Ein Feuer an der Mauer des Jüdischen Friedhofs in der Schönhauser Allee in Prenzlauer Berg bemerkte ein Zeuge heute früh gegen 3 Uhr 10. Die alarmierte Feuerwehr löschte die Flammen mit Sand. Polizeibeamte stellten auf dem Gehweg an der Friedhofsmauer insgesamt drei Kanister fest, die mit einer brennbaren Flüssigkeit gefüllt waren. Einer war vollständig ausgebrannt, der Inhalt des zweiten war ausgeschüttet worden und der dritte Kanister war unversehrt. Das Landeskriminalamt hat Ermittlungen wegen umweltgefährdender Abfallentsorgung und Sachbeschädigung aufgenommen. (Pressedienst der Polizei, 23.10.2008)

Mitte, 28. Oktober 2008
Polizeibeamte stellten gestern Nachmittag gegen 14 Uhr 20 eine Sachbeschädigung an einem jüdischen Denkmal in Mitte fest. Unbekannte Täter hatten an der „Gedenkstätte ehemaliges jüdisches Altenheim“ in der Großen Hamburger Straße ein etwa 6 × 6 Zentimeter großes Hakenkreuz mittels Farbe angebracht. Die Beamten entfernten die Schmiererei. Der Polizeiliche Staatschutz des Landeskriminalamtes hat die Ermittlungen übernommen. (Pressedienst der Polizei, 29.10.2008)

Charlottenburg, 1./2. November 2008
Zwei Unbekannte haben in der vergangenen Nacht in Charlottenburg einen Rabbiner im Straßenverkehr genötigt und antisemitisch beleidigt. Der 36-Jährige war zusammen mit acht Rabbinerschülern in einem Kleinbus unterwegs, als er gegen 0 Uhr 45 von einem mit zwei Personen besetzten „Mercedes-Benz“ zunächst durch Ausbremsen und Rückwärtsfahren genötigt wurde. Fahrer und Beifahrer des „Mercedes“ riefen dabei wiederholt antisemitische Beleidigungen aus ihrem Fahrzeug. Der 36-Jährige sah dann, dass der Fahrer einen unbekannten Gegenstand anzündete und in Richtung seines Kleinbusses warf. Worum es sich bei dem brennenden Gegenstand handelte, konnte er nicht erkennen. Der polizeiliche Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen. (Pressedienst der Polizei, 02.11.2008)

Friedrichshain, 11. November 2008
Unbekannte beschmierten gestern Abend eine Hauswand in Friedrichshain. Ein 49-jähriger Mieter eines Mehrfamilienhauses in der Palisadenstraße zeigte gegen 22 Uhr 40 einer Polizeistreife die Schmierereien an. Die Unbekannten hatten mehrere antisemitische Schriftzüge, Hakenkreuze und andere Hetzparolen an Hauswand und Haustür auf einer Fläche von 2 mal 1,5 Metern angebracht. Ein Mitarbeiter einer Wohnungsbaugesellschaft sorgte für die Beseitigung. Der Polizeiliche Staatsschutz beim Landeskriminalamt hat die Ermittlungen übernommen. (Pressedienst der Polizei, 12.11.2008)

Mitte, 16. November 2008
Unbekannte haben die Zentrale Gedenkstätte der Bundesrepublik Deutschland für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft in Mitte beschmiert. Polizeibeamte stellten gestern Abend gegen 22 Uhr zwei mit Farbe aufgetragene Davidsterne im Eingangsbereich der Neuen Wache in der Straße Unter den Linden fest. Die Symbole wurden durch Bedienstete des Wachschutzes entfernt. Der Polizeiliche Staatsschutz des Landeskriminalamtes hat die Ermittlungen wegen gemeinschädlicher Sachbeschädigung übernommen. (Pressedienst der Polizei, 16.11.2008)

Steglitz, 1./2. Dezember 2008
Unbekannte haben in der Nacht zum Dienstag eine Erinnerungsstätte an den Antisemitismus-Streit in Berlin-Steglitz geschändet. Die Gedenktafel in der Treitschkestraße wurde großflächig mit schwarzer Farbe beschmiert, teilte die Polizei mit. Der Staatsschutz ermittelt, weil ein antisemitischer Hintergrund vermutet wird. Der Antisemitismus-Streit wurde 1879 durch einen Aufsatz des Historikers Heinrich von Treitschke ausgelöst, in denen er die Juden als Unglück bezeichnete. Seit Jahren gibt es deshalb Bemühungen, die nach Treitschke benannte Straße umzubenennen. Die Steglitz-Zehlendorfer Bezirksverordneten haben dies bisher abgelehnt. (Die Welt online, 02.12.2008)

Pankow, 03. Dezember 2008
In einem Haus in Pankow wurde von Unbekannten in die Wände rechts und links der Fahrstuhltür ein Hakenkreuz, ein Judenstern sowie der Schriftzug „Jude“ geritzt. (Polizeiliche Kriminalitätsstatistik 2008)

Mahlsdorf, 12. Dezember 2008
In Berlin-Mahlsdorf ist am Freitagabend in einem Bus ein junger Mann antisemitisch beleidigt und brutal zusammengeschlagen worden. Der 20-Jährige kam mit Knochenbrüchen im Gesicht und einem Schädel-Hirn-Trauma ins Krankenhaus, so die Polizei. Der 22-jährige Täter konnte festgenommen werden. (taz, 15.12.2009)


Polizeilich erfasste Straftaten in 2008

Der Berliner Verfassungsschutzbericht weist für das Jahr 2008 168 Straftaten aus, die der Kategorie “Politisch motivierte Kriminalität – Rechts” zugeordnet sind. Die Gesamtzahl setzt sich zusammen aus 6 Gewalttaten, 40 Propagadelikten und 140 sonstige Delikten. Der Bericht kann » hier als PDF (3,99 MB) heruntergeladen werden.